In Sachen Flüchtlingspolitik oder #1000malWillkommen

31. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich bin ja seit jungen Jugendtagen ein großer Fan vom Coolibri. Für alle, die den Coolibri nicht kennen: Es handelt sich dabei um ein regionales Veranstaltungsmagazin. Vor gut 2 Jahren habe ich HIER schon mal über meine Coolibri-Liebe geschrieben und ich betone immer gern und überall: Wer im Ruhrgebiet wohnt und dem Coolibri auf Facebook nicht folgt, ist eindeutig selber schuld, denn so verpasst man echt viele tolle, ausgefallene, kreative und spannende Veranstaltungstipps. Oder was Anderes. Und heute geht es mal um was Anderes:

Aktuell ist die deutsche Flüchtlingspolitik in aller Munde. Ob Twitter, Facebook, TV oder inner Zeitung...die Diskussionen sind allgegenwärtig und mir drängt sich so manche Ekelgänsehaut angesichts vieler unreflektierter, selbstbezogener und verwöhnter Aussagen auf. 

Herrschaftszeiten, da sind Menschen in Not! Wir hocken hier schön alltagsgepampert in unserem Netz sozialer Sicherheiten - klar, dem Einen geht es besser, dem Anderen schlechter - aber uns ALLEN geht es immer noch gut genug. Gut genug wofür? Um zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird. Um Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft walten zu lassen. Um nicht auf Floskelzüge à la "Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen" aufzuspringen!

Im zweiten Weltkrieg waren wir Deutschen die Flüchtlinge. Landeten verängstigt ohne Hab und Gut und mit dicken Traumata im Herzensgepäck irgendwo auf der Welt und waren froh, wenn man uns aufnahm. Mir ist es sogar fast (!) egal, auf welche Seite der Flüchtlingspolitik man sich im Allgemeinen zu stellen meint, aber jeder - JEDER - sollte doch verdammte Axt noch mal daran denken, dass es sich um MENSCHEN handelt. Menschen, die Schiss haben. Die alles verloren und/oder hinter sich gelassen haben. Die nicht weiter wissen. Es gilt also angesichts der gesamten Situation, nicht an eine homogene Flüchtlingsmasse zu denken. An den Einzelnen sollte man denken und daran wie der sich wohl fühlt. Und wenn man DARAN denkt, sollte sich ja wohl ein bisschen Nächstenliebe und Respekt aufbringen lassen, denn das könnten auch WIR sein, wenn wir dort und nicht hier geboren wären!

(Jaja, der Coolibri-Kreis schließt sich gleich noch!)

Ich habe selbst in einem Aufnahmeheim für Jugendliche gearbeitet, das ab und an auch mal Flüchtlingsjungs aufgenommen hat. Der Kerle waren arme Säue...anders kann man das echt nicht sagen. Und welchen Stempel drückt man ihnen von außen auf? Den Stempel "kriminelles Pack". Soso. Dass aber so ein Junge, der wirklich gerne Deutsch lernen WÜRDE, der furchtbar gerne zur Schule gehen WÜRDE, der sich total gerne integrieren WÜRDE, das alles aber erst mal gar nicht KANN, weil ihm die Bürokratie alle möglichen Knüppel zwischen die Integrationsbeine wirft...DAS bedenkt kaum jemand. Er kriegt nen Stempel und gut is. Und wenn so ein Junge dann monatelang vor sich hindümpelt, weil er nix kann und nix darf, und dann irgendwann "doofe" Kontakte knüpft - zu kriminellen DEUTSCHEN Jugendlichen, die einfach per se keinen Bock auf nix haben, und anfängt "Mist" zu bauen, zu klauen, zu kloppen oder sonst was Bescheuertes anstellt, dann zeigt man mit dem Finger auf ihn und schreit "Hab ich's nicht gesagt?! Die machen hier NUUUR Ärger!".

Man muss sich da mal hineinversetzen! Über Monate hinweg darf man nix. Nur fernsehen oder ausm Fenster gucken. Man darf nicht zur Schule oder nicht arbeiten. Man spricht die neue Sprache nicht und gerät in die entsprechenden Kreise. Man hat kein Geld oder nur sehr, sehr wenig. Man ist gefrustet, gelangweilt, traurig, entmutigt und einsam. Und dann erst kommt gegebenenfalls - und das natürlich auch längst nicht unbedingt in allen Fällen - das Mistbauen. Als Flüchtling ist man nicht von vornherein ein fieser Schmarotzer, der hier nur aufschlägt, um sich ein kriminelles Kleinimperium aufzubauen! Man rutscht da unter Umständen einfach rein, weil es eben leichter ist, sich in bildungsarme und kriminelle Schichten zu integrieren. Weil man dadurch, dass man nicht zur Schule gehen oder nicht arbeiten darf, mit  "fitteren" Leuten mit "besserer Gesinnung" oder einem höheren Intellekt kaum bis gar nicht in Berührung kommt. Also integriert man sich da, wo man sich integrieren kann. Sowas ist der Hilflosigkeit, der Überforderung und dem Frust geschuldet.

Ich will gar nicht sagen, dass das mit der Flüchtlingspolitik alles ganz einfach ist. Ist es nicht. Ich will nur sagen: Denkt Euch mal rein! Sagt Anderen, die irgendwelchen inhaltsleeren Parolen nachhängen, dass sie sich mal reindenken, nein, reinversetzen sollen! Und tragt selbst eine Haltung nach außen, die Aufgeschlossenheit, Akzeptanz und Hilfsbreitschaft signalisiert, denn das können wir uns hier in Deutschland wirklich leisten. Und das sollten wir!

Und der Coolibri hat mich auf die Idee zu diesem Post gebracht, denn die Redaktion schließt sich einer Online-Aktion an, die auf Tumblr gestartet ist und den Titel #1000malWillkommen trägt. Näheres erfahrt Ihr HIER. Als ich das gesehen habe, war mir klar: Da mache ich mit! 


Ich mache mit, um ein Zeichen zu setzen für mehr Verständnis. Um daran zu erinnern, dass es sich nicht einfach nur um eine Flüchtlingsmasse, sondern um Menschen handelt. Und diesen Menschen möchte ich sagen: Ihr seid hier willkommen und wer Euch etwas Anderes signalisiert hat einfach leider kein Benehmen und ich wünsche Euch auf Eurem Weg möglichst wenige Begegnungen mit dieser Art. Empathie hat leider nicht jeder gepachtet und emotionale Intelligenz erst recht nicht...aber darauf kommt es hier meiner Meinung nach an.


Ob auf Twitter, Facebook, Instagram, Tumblr, Eurem Blog oder sonst wo...vielleicht habt auch Ihr Lust, ein Zeichen zu setzen?! Es kostet Euch nur ein paar Minuten und ein paar gute Gedanken...für ein menschliches Miteinander. Und dafür sollte man seinen Hintern ruhig mal kurz hochbekommen, oder?!

Merke: HIER findet Ihr tolle Gegenargumente mit Blick auf die klassichen Parolen.

Keine Blaubeeren sind auch eine Lösung

29. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, manchmal, ne?! Manchmal mache ich mich selber fassungslos. Dann will ich meinen Kopf anne Tischplatte tackern und einfach nicht mehr aufstehen. Dann würde ich mir selbst so manche Doofheit ersparen. Aaaaber ich würde auch so manche Gelegenheit zur Erschlauung verpassen. Worauf ich hinaus will?! Darauf:

In ein paar Wochen darf ich mit einigen anderen Bloggern nach Kanada fliegen. Zur Blaubeer-Ernte. Genauer: zur Wild Blueberry Harvest Tour Canada. Das weiß ich schon seit Januar und freue mich darauf wie bekloppt. Ich habe nämlich seit meiner Schulzeit den großen Teich nicht mehr überquert und überhaupt lusche ich in Sachen Urlaub ja leider immer nur in Bayern und Holland rum. Nix gegen Bayern oder Holland...aber mal so riiiiichtig raus und weg und überhaupt...das liegt in meiner Welt nun schon gute 13 Jahre (oder so) zurück. Also freu ich mich wie ein Blaubeerkönig! Eine Kanadarundreise...wie toll ist DAS denn?! (Den Flug werde ich allerdings nur hoch narkotisiert überstehen. Weil: KLICK!)

Naja. Und weil ich mich so freue, habe ich schon vor Wochen auf Pinterest ein Pinnboard mit ausgefallenen und besonderen Blaubeer-Rezepten angelegt: KLICK! Wer Blaubeeren erntet, sollte ja schließlich auch wissen, was man so Tolles mit den Dingern anstellen kann, ne?!


So. Und dann hatte ich die Idee, eins dieser tollen Rezepte nachzumachen, hier davon zu berichten, die Pinnwand im Allgemeinen und Blaubeeren im Besonderen anszupreisen und meine Kanada-Vorfreude angemessen kund zu tun.

Dieses Vorhaben scheiterte allerdings von Woche zu Woche daran, dass ich keine Blaubeeren auftreiben konnte. Natürlich war ich ob dieser Tatsache sehr beleidigt. Und letztens war ich SO beleidigt, dass ich Dani davon erzählt habe: "Keine Blaubeeren! Nirgends! Skandal! Zig Supermärkte! Frechheit! Wie kann das sein? Ist das Ruhrgebiet ein Blaubeer-Sperrgebiet?! Mecker, mecker, mecker! Überall nur Heidelbeeren. Was soll denn sowas?!"

Und Dani so: "Äh. Blaubeeren sind doch Heidelbeeren."
Und ich so: "NÄ?!?!?"
Und Dani so: "Google, google...DOCH!"
Und ich so: "Kannste mir mal eben den Kopf anne Tischplatte tackern?!"

Da stehe ich WOCHENLANG vor Heidelbeeren rum und bin beleidigt, dass ich keine Blaubeeren finde?! Mannmannmann...gut dass ich das wenigstens noch VOR meiner kanadischen Blaubeermission geschnallt habe! Wenigstens VOR ORT möchte ich doch eine gewisse Kompetenz ausstrahlen, ne?!


Aber wenn man der Meinung ist, dass Heidelbeeren keine Blaubeeren sind, dann kauft man halt Brombeeren. Und deshalb gibt es heute KEIN Blaubeer-Rezept. Ursprünglich wollte ich nämlich Blaubeer-Ziegenkäse-Mini-Pizzen backen. Aber als ich dann den Supermarkt mit Brombeeren im Arm durchquerte, kam ich an einem Regal mit französischem Brioche vorbei und beschloss, dass "Brombeer-Brioche" ja doch seeeehr viel cooler als "Blaubeer-Ziegenkäse-Mini-Pizza" klingt. Also so rein phonetisch. Also hab ich mir das Brioche geschnappt, das tolle Heimatofenbäcker sicherlich viel lieber selbst backen würden. Zum Beispiel nach diesem Rezept von Aurélie. Aber mir reicht in diesem Fall das Fertigprodukt vollkommen, auch wenn es auf den Fotos aussieht wie ein labberiges Brötchen bzw. eine Frikadellenzutat in spe.

So. Das war die Geschichte von den Blaubeeren, die auch Heidelbeeren heißen, die dann aber zu Brombeeren wurden und die die Pizza eliminiert und durch ein Brioche ersetzt haben. Und jetzt folgt das Rezept, das die Blaubeere zumindest im Herzen trägt:


Wie immer hab ich auch hier Spaß an "für schnell und für lecker", deshalb braucht es weder viele Zutaten noch viele Handgriffe, um diese kleinen, deliziösen Schnittchen herzustellen. Ich habe zwei Versionen kreiert...einmal mit Ziegenkäse und einmal mit Roquefortkäse, aber wenn ich ehrlich bin, war die erstere Variante bedeutend leckerer.


Ihr schneidet das Brot in dicke Scheiben, schmiert den Käse drauf und packt die Scheiben dann für ein paar Minuten bei 200 Grad in den Ofen. Wenn der Käse etwas zerlaufen ist, holt Ihr die Schätzekens wieder raus, legt die halbierten Brombeeren drauf, quetscht den Schinken ansehnlich dazwischen, träufelt etwas Honig drüber, garniert mit Thymian und mahlt abschließend noch etwas frischen Pfeffer drüber. Datt wars. Total kiki und man fühlt sich trotzdem wie Gott in Frankreich...oder Kanada. Und der ganze Spaß schmeckt bestimmt auch mit Blaubeeren. Würde ich drauf wetten!


So. Feddich. Guten Hunger und schönen Tach! Ich geh dann jetzt mal HEIDELbeeren kaufen. Und einen Tacker.

Merke: Trotzdem demnächst unbedingt mal DIESE Blaubeer-Mini-Pizzen backen.

Frage: Habt IHR tolle Blaubeer-Rezepte auf Lager?! HER DAMIT!
Meine Blaubeer-Pinnwand braucht Futter...

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